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Ab dem 22. Januar können Besucher im Rahmen von geführten Studientouren das ehemalige Badehaus im Abschnitt BIb des Konzentrationslagers Auschwitz II-Birkenau besichtigen. Dieses historische Gebäude wurde dank der finanziellen Unterstützung der Auschwitz-Birkenau Foundation umfassend restauriert.
„Die Restaurierungsarbeiten dauerten 33 Monate und folgten grundlegenden Prinzipien: Eingriffe wurden auf das absolut Notwendige beschränkt und alle historischen Bauteile wurden mit größter Sorgfalt geschützt. Dadurch bleibt das Badehaus viele Jahre in einem guten technischen Zustand und kann nun, was zuvor nicht möglich war, wieder sicher für Besucher geöffnet werden“, erklärte Rafał Pióro, stellvertretender Direktor des Museums und zuständig für die Denkmalpflege.
Die Restaurierungsarbeiten umfassten die Fassaden und Schornsteine des Gebäudes, die hölzerne Dachkonstruktion und die Fußböden. Teile der Außenwände und des Schornsteins wurden zudem neu ausgerichtet. Besonders wichtig war die Wiederherstellung der originalen Decken aus Spanplatten; diese waren 2006 aufgrund der maroden Deckenbalken entfernt worden. „Dadurch haben die historischen Innenräume ein wichtiges Element ihres ursprünglichen Erscheinungsbildes zurückerhalten“, sagte Alicja Duda, die das Restaurierungsprojekt leitete.
Das Projekt wurde von archäologischen Untersuchungen begleitet. Dabei wurden zahlreiche Strukturen und Elemente als Überreste der Lagerinfrastruktur identifiziert und dokumentiert, zusammen mit stratigraphischen Schichten und Objekten, die die Funktionsfähigkeit des Lagers belegen.
Das nun für Besucher zugängliche Badehaus befindet sich im ältesten Teil von Auschwitz II-Birkenau, wo im März 1942 erstmals männliche Häftlinge inhaftiert wurden. Der Bau wurde zwei Monate später abgeschlossen. Er umfasste Einrichtungen wie Duschen, ein Badehaus und Latrinen für die Häftlinge. Besonders bemerkenswert sind die Desinfektionskammern, in denen Kleidung mit Dampf und Zyklon B desinfiziert wurde. Besucher können im Inneren Überreste von Wasser- und Elektroleitungen, Metallhaken, Rohre und Armaturen sehen. Die Wände der Zyklon-B-Desinfektionskammer weisen noch immer blaue Verfärbungen auf, die auf die Verwendung von Blausäure hindeuten.Die umfassende Konservierung des Gebäudes erfolgte im Rahmen des Masterplans zur Erhaltung, der 2009 vom Museum entwickelt wurde. Ziel ist es, alle Überreste des ehemaligen deutschen Nazi-Konzentrations- und -Vernichtungslagers Auschwitz zu sichern. Die Umsetzung des Plans wird von der Stiftung Auschwitz-Birkenau finanziert.
„Das Badehaus ist das siebte Backsteingebäude im Sektor BI des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz II-Birkenau, das mit Mitteln der Stiftung umfassend restauriert wurde. Bislang wurden vier Häftlingsbaracken, eine Latrine und eine Küche für Besucher geöffnet. Mit dem Abschluss dieses Projekts können wir nun einen weiteren Aspekt der Lagerrealität präsentieren“, betonte Agnieszka Tanistra-Różanowska, Leiterin des Masterplans für die Erhaltung.