Erhaltung

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Alltagsgegenstände. Mitgenommen auf die letzte Reise. Die wichtigsten, die notwendigsten, die beliebtesten, die wertvollsten. Der Rest des Besitzes konnte verkauft, verschenkt oder zurückgelassen werden, aber nicht diese Gegenstände.

Heute sind sie alles, was übrig geblieben ist. Die Menschen, denen sie so viel bedeuteten, sind praktisch verschwunden. Deshalb sind diese Gegenstände zum Weltkulturerbe geworden. Sie waren für ihre Besitzer wichtig. Heute sind sie für die Menschheit von unschätzbarem Wert. Sie zeigen die Spuren des Lebens und die Spuren des Mordes. Die Spuren der Menschlichkeit und der Entmenschlichung. Die Spuren von allem, was vergangen ist.

Unser Ziel ist es, nicht nur die Gebäude und Ruinen des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau für die Nachwelt zu erhalten. Sondern auch jedes Objekt, das bei der Befreiung am 27. Januar 1945 auf dem fast 200 ha großen Gelände gefunden wurde. Jedes Kleidungsstück, jedes Essensgeschirr, jeden Koffer und jeden Brief. Selbst die kleinsten und unscheinbarsten Dinge hatten für die Gefangenen des Konzentrationslagers einen großen immateriellen Wert. Es ist unsere Pflicht, diese Gegenstände zu erhalten, um die Opfer zu würdigen, ihrer Leben zu gedenken und ihr unvorstellbares Leid vorstellbar zu machen.
Für uns ist jeder Schuh wie ein Porträt. Jeder hat eine bestimmte Form, Farbe und einzigartige Gebrauchsspuren, die von einer bestimmten Person hinterlassen wurden. Auch heute noch entdecken wir Inschriften im Inneren der Schuhe: Namen, Transportnummern, Fragmente von Dokumenten. Manchmal ermöglichen uns diese Details, die Geschichten bestimmter Personen und ihrer Familien zu rekonstruieren.

Aufgrund der unterschiedlichen Erhaltungszustände und Materialbeschaffenheiten erfordert jeder Schuh während des Konservierungsprozesses ein individuelles Vorgehen. Alle Arbeiten werden so durchgeführt, dass keine wichtigen Details verloren gehen, die neue Informationen über das Opfer liefern könnten. Dadurch kann die Konservierung eines einzelnen Schuhs mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Bei allein rund 110.000 gefundenen Schuhen ist unsere Aufgabe eine riesige Herausforderung. Die natürlichen Zersetzungsprozesse der Materialien und Fehler aus früheren Konservierungsversuchen während des Kalten Krieges machen diese Arbeit zusätzlich zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Damit wir ihn gewinnen und keine Artefakte unwiederbringlich verloren gehen, ist die Unterstützung durch unsere Spender unerlässlich.
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