
Am 23. Oktober fand im Ministerium für Kultur und Nationales Erbe in Warschau eine feierliche Übergabe historischer Dokumente statt, die sich unter anderem auf den Zweiten Weltkrieg, den Holocaust und die deutschen nationalsozialistischen Konzentrationslager beziehen. Die Dokumente wurden von der Stiftung Auschwitz-Birkenau im Rahmen internationaler Zusammenarbeit gesichert, nachdem im November letzten Jahres eine kontroverse Versteigerung in Deutschland abgesagt worden war.
Eine Sammlung von Dokumenten zur Geschichte von Auschwitz, darunter Häftlingskorrespondenz aus verschiedenen Phasen des Lagerbetriebs, wurde dem Museumsarchiv übergeben. Zu den ältesten Materialien gehört ein Schriftstück vom 17. Dezember 1940, abgesandt von Jan Sworzeń, Häftling Nr. 56, der am 14. Juni 1940 mit dem ersten Transport polnischer politischer Gefangener nach Auschwitz deportiert wurde. Es handelt sich um ein gedrucktes Formular an seine Familie über die Regeln für den Versand von Weihnachtspaketen. Jan Sworzeń starb am 6. Januar 1943 im Lager.
Die Sammlung umfasst auch ein umfangreiches handschriftliches Manuskript von Arthur Liebehenschel, dem Kommandanten von Auschwitz in den Jahren 1943–1944. Das Dokument entstand 1947 während seiner Haft in Polen im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für seinen Prozess vor dem Obersten Nationalen Tribunal. Die Notizen mit seiner eigenhändigen Unterschrift stellen eine wichtige Quelle für die Erforschung der Funktionsweise des Lagers und der Verantwortung seiner Täter dar.
Zu den weiteren Materialien mit Bezug zur Geschichte von Auschwitz gehören Häftlingsbriefe, Familienkorrespondenz, Dokumente über den Versand von Paketen und Geld sowie Todesnachrichten. Von besonderer Bedeutung sind jene Quellen, die individuelle Schicksale von Menschen enthüllen, deren Geschichten in den Lagerdokumenten oft nur fragmentarisch überliefert sind.
„Hinter jedem Dokument steht die Tragödie eines einzelnen Menschen, manchmal einer Gruppe von Menschen. Jede dieser Geschichten ist Teil der größten Tragödie in der Geschichte Europas. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Schicksale einzelner Personen außerhalb des historischen, archivalischen und wissenschaftlichen Erbes bleiben und in Sammlerschubladen, privaten Lagerräumen oder Amateurakten landen. Wenn das geschieht, verschwindet aus der Perspektive der Shoah als Ganzes und der Geschichte der Lager die tatsächliche Präsenz eines konkreten Opfers“, betonte Dr. Piotr M. A. Cywiński, Direktor des Museums Auschwitz.
An der Veranstaltung in Warschau nahmen die Ministerin für Kultur und Nationales Erbe Marta Cienkowska, Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, Wojciech Soczewica, Generaldirektor der Stiftung Auschwitz-Birkenau, sowie Vertreter des diplomatischen Korps, von Museen, Archiven und Gedenkstätten teil.
„Dokumente werden zu immer wichtigeren Zeitzeugen der Geschichte, und auf ihnen müssen wir eine verantwortungsvolle Erinnerungspolitik aufbauen. Eine Politik, die authentische Quellen schützt, die Bedingungen für unabhängige Forschung sichert und es uns ermöglicht, die Vergangenheit in all ihrer Komplexität zu verstehen“, sagte Kulturministerin Marta Cienkowska.
„Hinter jedem Dokument steht ein Mensch. Jemand, der eine Familie hatte, jemand, der Pläne und Träume hatte, jemand,der liebte, sich nach anderen sehnte und um seine Nächsten bangte. Jemand, dem das normale Leben durch den Krieg genommen wurde, und oft auch die Zukunft“, fügte sie hinzu.
„In einer Zeit, in der Desinformation und die Manipulation von Fakten zu einer immer ernsteren Bedrohung werden, auch für das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg, den Holocaust und die Verbrechen totalitärer Regimes, muss unsere Antwort in starken Erinnerungsinstitutionen, professionellen Archiven, der Digitalisierung von Sammlungen, historischer Bildung und internationaler Zusammenarbeit bestehen“, so Ministerin Cienkowska.
„Wir können uns nicht jedes Mal allein auf öffentliche Proteste, das Wohlwollen von Spendern und außerordentliche Rettungsaktionen verlassen. Deshalb appelliere ich heute an alle Einzelpersonen und Institutionen, die im Besitz von Lagerdokumenten, Häftlingskorrespondenz, Zeugnissen des Lebens in den Ghettos oder persönlichen Gegenständen von Verfolgungsopfern sind: Vertrauen Sie diese Museen, Archiven und Gedenkstätten an. Geben Sie Historikern die Möglichkeit, sie zu erforschen, und zukünftigen Generationen die Chance, die darin bewahrten Geschichten zu lernen“, betonte sie.
Neben dem Museum Auschwitz gehörten zu den Empfängern der Dokumente das Staatliche Museum Majdanek, das Stutthof-Museum in Sztutowo, das Gross-Rosen-Museum in Rogoźnica, das Treblinka-Museum, das Museum Pawiak-Gefängnis, das Museum des Martyriums von Großpolen – Fort VII, das Museum des Warschauer Ghettos, das Katyn-Museum in Warschau und das Zentrale Museum der Kriegsgefangenen. Dokumente wurden zudem dem Jüdischen Historischen Institut Emanuel Ringelblum und dem Staatsarchiv in Łódź und Krakau übergeben.
Tragweite und Umfang der Initiative reichen über Polen hinaus. Zu den Empfängern gehörten auch das Holocaust-Gedenkzentrum in Budapest sowie die Botschaften der Tschechischen Republik, Dänemarks, Litauens und der Niederlande in Polen. Die Materialien betreffen unter anderem die Geschichte des Ghettos Theresienstadt, der Lager Westerbork und Amersfoort, die Verfolgung der Juden in Ungarn sowie die Besetzung litauischer Gebiete.
Einige Dokumente mit Bezug zu Auschwitz wurden an andere Institutionen übergeben. Das Zentrale Museum der Kriegsgefangenen erhielt unter anderem eine Karte, die im November 1943 aus dem Oflag XVII A an einen polnischen Internierten in der Schweiz geschickt wurde. Darin bat der Absender um Hilfe für eine in Auschwitz II-Birkenau inhaftierte Frau unter Angabe ihrer Häftlingsnummer und der Lageradresse.
Weitere übergebene Materialien dokumentieren unter anderem den Alltag in Ghettos, das Schicksal von Familien, die durch Verfolgung und Zwangsarbeit getrennt wurden, sowie Versuche, den Kontakt zu Angehörigen aufrechtzuerhalten. Das Jüdische Historische Institut erhielt unter anderem eine Sammlung von 85 Postkarten der Familie Markowicz aus Wieruszów. Ihre Korrespondenz aus den Jahren 1941–1943 dokumentiert das Schicksal von Familienmitgliedern, die in verschiedene Zwangsarbeitslager verschleppt wurden. Das Staatsarchiv in Łódź wiederum erhielt Dokumente über Deportationen aus dem Ghetto Łódź und die Funktionsweise seiner Verwaltung.
Die Zeremonie in Warschau bildete den symbolischen Abschluss eines Prozesses, der im November letzten Jahres begann, als mehr als 600 Originaldokumente aus Konzentrationslagern, Ghettos und anderen Orten im Zusammenhang mit deutschen Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs von einem Auktionshaus in Neuss (NRW) versteigert werden sollten. Darunter befanden sich Briefe und Postkarten von Häftlingen, Verwaltungsdokumente und persönliche Verfolgungszeugnisse. Internationale Proteste führten zur Absage der Auktion.
Dank der Zusammenarbeit zwischen der Stiftung Auschwitz-Birkenau, den Behörden des Landes Nordrhein-Westfalen und privaten Spendern konnten mehr als 600 historische Dokumente gesichert werden. Die ersten 433 davon wurden der Stiftung im Rahmen einer Feierstunde im Landtag von Nordrhein-Westfalen am 30. Januar 2026 übergeben. Ein Teil der Sammlung waren bereits im Juli diesen Jahres an Gedenkstätten in Deutschland übergeben worden.
Die Aktion zur Sicherung des Archivmaterials, zum Stopp der Auktion und zur Durchführung der Spendenkampagne wäre ohne das persönliche Engagement von Partnern aus Nordrhein-Westfalen, die die Stiftung pro bono unterstützten, nicht möglich gewesen. Besonderer Dank und Anerkennung gelten Matthias Schreiber vom Landtag Nordrhein-Westfalen, Ekkehardt Thiesler, dem Vorstandsvorsitzenden der KD-Bank, sowie dem Notar Klaus Oertel. Ihre professionelle Beratung, ihr Fachwissen und ihre organisatorische Unterstützung in jeder Phase waren für den Erfolg dieser sensiblen Mission von unschätzbarem Wert.
„Als im vergangenen Jahr die Nachricht bekannt wurde, dass ein Auktionshaus in der Nähe von Düsseldorf Hunderte von Objekten mit Bezug zum Holocaust versteigern wollte, löste dies breite Empörung aus. Diese Empörung war in Polen besonders laut zu hören – hier, wo die deutschen Täter die meisten ihrer Verbrechen begingen. Und das zu Recht, denn es ist schwer zu akzeptieren, dass Erinnerungsstücke an Holocaust-Opfer, Briefe aus Konzentrationslagern oder Judensterne nun zu Handels- und Sammlerobjekten werden sollten. Geschichte ist keine Ware. Geschichte ist eine Verantwortung, die wir tragen“, sagte Minister Nathanael Liminski.
Die Bewahrung dieser Dokumente wurde durch das Engagement der Stiftung Auschwitz-Birkenau ermöglicht. Wie Wojciech Soczewica, Generaldirektor der Stiftung, betonte, war die Entscheidung, Dokumente auf dem privaten Markt aufzukaufen, nicht leicht, da die Stiftung eine solche Tätigkeit zuvor nicht ausgeübt hatte.
„Das Handeln der Stiftung hatte eine universelle Dimension, da es den Schutz des Erbes betraf, das mit vielen Gedenkstätten in ganz Europa verbunden ist. Gleichzeitig war es uns wichtig, Dokumente zu sichern, die das Schicksal polnischer Opfer zeigen – sowohl der in den Lagern Inhaftierten als auch der im Osten Ermordeten. Wir freuen uns, dass wir sicherstellen konnten, dass diese unschätzbaren Zeugnisse polnischen staatlichen Institutionen übergeben werden und zukünftigen Generationen dienen“, sagte Wojciech Soczewica.
Ein wichtiges Element des gesamten Prozesses war auch die Etablierung einer Zusammenarbeit mit dem Verein Yad Ezer L’Haver in Haifa. Als einige der Dokumente nach Absage der Auktion nach Israel gelangten, begann die Stiftung Auschwitz-Birkenau mit Bemühungen, diese authentischen Zeugnisse der Verbrechen zurückzuerlangen.
„Dieser Erfolg wurde dank der Unterstützung von Partnern in Israel und Deutschland sowie von Privatpersonen erreicht, die in Abstimmung mit der Stiftung die Initiative ergriffen und wichtige Brücken des Dialogs gebaut haben. Infolge dieser Bemühungen übergab der Verein Yad Ezer L’Haver der Stiftung unentgeltlich drei wertvolle Objekte: das Manuskript des Kommandanten Arthur Liebehenschel und Korrespondenz zum Verbrechen von Katyn. Diese Geste wurde zum Beginn einer engen Zusammenarbeit zum Schutz des Erbes der nationalsozialistischen und sowjetischen Verbrechen. Wir sind dem Verein für diese bedeutende Geste dankbar“, betonte Soczewica.
Im Juni startete die Stiftung die internationale Patenschafts-Spendenaktion ("Lagerpost – Ankauf von Dokumenten"), um Mittel für die Rettung weiterer Dokumente einzusammeln. Bis Mitte Oktober wurden rund 140.000 Euro aufgebracht.
Die angekauften und gesicherten Dokumente werden den entsprechenden Gedenkstätten kostenlos übergeben, wo sie einer professionellen Konservierung und wissenschaftlichen Erforschung unterzogen, Forschern zugänglich gemacht und für Bildungszwecke genutzt werden können.
Die Bemühungen der Stiftung Auschwitz-Birkenau sollen auch die Aufmerksamkeit auf das allgemeinere Problem des Handels mit authentischen Beweisen für NS-Verbrechen lenken sowie auf das Risiko, dass solche Materialien in Privatsammlungen verstreut werden.
Am 15. Oktober fand in der Kanzlei des Ministerpräsidenten in Warschau die 16. Sitzung des Internationalen Komitees der Auschwitz-Birkenau-Stiftung statt. Das Treffen brachte Vertreter der Länder zusammen, die die Bemühungen der Stiftung zur Erhaltung der Gedenkstätte Auschwitz unterstützen. Den Vorsitz führte Marek Zając, Vorsitzender des Stiftungsrats. Neue Komiteemitglieder, die Montenegro und Nordmazedonien vertreten, nahmen erstmals an der Sitzung teil.
Im Namen von Ministerpräsident Donald Tusk begrüßte Grzegorz Karpiński, stellvertretender Leiter der Kanzlei des Ministerpräsidenten, die Teilnehmer. „Die Stiftung ist ein weltweit einzigartiges Beispiel für internationale Solidarität beim Schutz des historischen Erbes. Wir sind hier vereint in einem gemeinsamen Ziel: das Gedenken an die Opfer des Holocaust zu bewahren und Antisemitismus sowie jeglicher Form von Intoleranz entgegenzuwirken. Die Arbeit des Komitees beschränkt sich nicht nur auf seine Sitzungen, sondern stellt ein kontinuierliches Engagement dar, um sicherzustellen, dass das Gedenken eine Quelle der Kraft und eine Inspiration für Respekt und Toleranz bleibt“, sagte er.
Zur Eröffnung der Sitzung betonte Marek Zając, wie wichtig es ist, die authentischen Überreste von Auschwitz für künftige Generationen zu bewahren. „Wir leben in sehr schwierigen Zeiten, und vieles verändert sich zum Schlechteren. Deshalb werden die Lehren aus Auschwitz und dem Holocaust heute mehr gebraucht als vor zehn oder zwanzig Jahren.“
„Das wichtigste Kapital jeder Stiftung ist Vertrauen und Transparenz. Genau deshalb sind diese Treffen für uns so wichtig. Wir möchten unsere Berichte vorstellen, aber wir möchten auch all Ihre Fragen beantworten“, fügte Marek Zając hinzu.
Dr. Piotr M. A. Cywiński, Präsident der Auschwitz-Birkenau-Stiftung und Direktor des Auschwitz-Museums, wies auf die wachsende Bedeutung des historischen Gedächtnisses angesichts aktueller Krisen und Unsicherheiten hin.
„Wir wissen nicht, was in drei oder sechs Monaten passieren wird. Veränderungen finden sehr schnell statt. Genau hier zeigt sich die besondere Rolle des Gedenkens. Für mich ist das Gedenken eng mit menschlicher Erfahrung verbunden. Wenn wir nicht wissen, wohin wir uns bewegen, greifen wir auf unsere Erfahrungen zurück, um die Situation und mögliche Handlungswege besser zu verstehen. Unser Ziel ist es, den Menschen dabei zu helfen, dieses Verständnis zu finden. Deshalb müssen wir die Authentizität von Auschwitz schützen und bewahren“, betonte Piotr Cywiński.
Wojciech Soczewica, Generaldirektor der Auschwitz-Birkenau-Stiftung, präsentierte einen Bericht über die Aktivitäten der Stiftung und die wichtigsten Projekte der letzten Zeit. Er sprach über den weiteren Ausbau der internationalen Spenderkoalition. Kroatien, Nordmazedonien, Serbien und Slowenien haben sich dem Kreis der Länder angeschlossen, die die Stiftung unterstützen, während Zypern, Irland, Portugal und Spanien ihre bestehenden finanziellen Zusagen erhöht haben.
Eines der diskutierten Themen war die zusätzliche Arbeit der Stiftung zum Schutz authentischer historischer Dokumente. Für November 2025 war in Nordrhein-Westfalen eine Auktion von mehr als 600 Dokumenten aus Konzentrationslagern, Ghettos und anderen Orten der nationalsozialistischen Verbrechen geplant. Ein bedeutender Teil der Sammlung bestand aus Briefen und Postkarten von Häftlingen, viele davon aus Auschwitz.
Obwohl die Auktion abgesagt wurde, verblieben einige der Materialien auf dem privaten Markt. Durch die Zusammenarbeit mit den Behörden in Nordrhein-Westfalen, deutschen Gedenkstätten und privaten Spendern beteiligte sich die Auschwitz-Birkenau-Stiftung an der Sicherung von mehr als 600 historischen Dokumenten, damit diese an die entsprechenden Archive und Museen übergeben werden konnten.
„Es war eine schwierige Entscheidung, da die Stiftung zuvor nicht am Ankauf von Dokumenten vom privaten Markt beteiligt war. Wir kamen jedoch zu dem Schluss, dass diese Zeugnisse menschlichen Leids und die Schicksale einzelner Personen bewahrt und in Gedenkstätten zugänglich gemacht werden sollten, anstatt in privaten Sammlungen zu landen. Wir haben keinen Zweifel daran, dass dies der richtige Weg war“, betonte Wojciech Soczewica.
Einige der Dokumente wurden bereits während einer Zeremonie in Düsseldorf an Gedenkstätten übergeben. Weitere mehrere hundert Dokumente sollen in den kommenden Tagen an polnische Einrichtungen geliefert werden, darunter das Auschwitz-Museum sowie Archive, die Materialien unter anderem zu den Ghettos in Łódź und Warschau sowie zum KL Stutthof und KL Lublin verwahren.
Die Stiftung startete zudem eine spezielle Spendenkampagne zur Rettung historischer Dokumente, bei der rund 140.000 Euro zusammenkamen. Diese Mittel sind dazu bestimmt, weitere Zeugnisse zu sichern und sie kostenlos an Gedenkstätten zu übergeben. Wojciech Soczewica wies zudem auf die Notwendigkeit einer Diskussion auf europäischer Ebene über die Regeln für den Handel mit Dokumenten im Zusammenhang mit NS-Verbrechen hin.
Ein weiteres großes Projekt, das von der Stiftung unterstützt wird, ist die Dauerausstellung von Kunstwerken von Häftlingen und Überlebenden von Auschwitz, die derzeit vom Museum vorbereitet wird. Sie wird im historischen Gebäude der ehemaligen Lagerküche in Auschwitz I entstehen. Das Projekt ermöglicht es, eine außergewöhnliche Sammlung von Werken zu präsentieren, die persönliche Zeugnisse von Lagererfahrungen und deren Erinnerung darstellen. Die geschätzten Kosten des Projekts belaufen sich auf rund 24 Millionen US-Dollar. Bisher konnten etwa 13 Millionen US-Dollar gesichert werden. Zu den Spendern gehört unter anderem die Jusidman Family Foundation. Die Stiftung setzt ihre Spendenkampagne für diesen Zweck fort.
Wojciech Soczewica stellte zudem die Entwicklung der von der Stiftung unterstützten Bildungsaktivitäten vor, insbesondere die Plattform „Auschwitz. In Front of Your Eyes“, die es ermöglicht, die Gedenkstätte online live mit einem Guide zu besuchen.
Ein wichtiger Teil der Sitzung war die Präsentation der finanziellen Situation der Stiftung. Finanzvorstand Elwir Świętochowski berichtete, dass die Erträge aus dem Stiftungsvermögen im Jahr 2025 über 20 Millionen PLN lagen. Im gleichen Zeitraum stellte die Stiftung 23,4 Millionen PLN für die Umsetzung des Globalen Erhaltungsplans an der Gedenkstätte Auschwitz bereit.
Łukasz Rozdeiczer-Kryszkowski, Vizepräsident der Stiftung, präsentierte die Ergebnisse einer unabhängigen Finanzprüfung durch KPMG. Der Wirtschaftsprüfer erhob keine Einwände gegen den Jahresabschluss 2025 und bestätigte, dass dieser die finanzielle Lage der Stiftung zutreffend darstellt und den geltenden Vorschriften entspricht. Er dankte auch den Unternehmen und Institutionen, die die Stiftung seit Jahren mit ihrem Fachwissen, ihren Dienstleistungen und ihrem Engagement unterstützen, darunter KPMG, Rymarz Zdort Maruta, PZU, BNP Paribas, Orange und Google.
Rafał Pióro, stellvertretender Direktor des Auschwitz-Museums und verantwortlich für die Erhaltung, sowie Agnieszka Tanistra-Różanowska, Leiterin des Globalen Erhaltungsplans, erörterten die Umsetzung des Programms.
Im Jahr 2025 wurden 14 Erhaltungsprojekte abgeschlossen, während 11 weitere im Jahr 2026 laufen. Die umfassenden Sicherungsarbeiten an den Ruinen der Gaskammern und Krematorien im ehemaligen Lager Auschwitz II-Birkenau werden fortgesetzt, einschließlich Maßnahmen zum Schutz der noch vorhandenen baulichen Fragmente vor Bodendruck und fortschreitender Materialdegradation. Auch die Erhaltungsarbeiten an den historischen Baracken im Sektor BI des ehemaligen Lagers Birkenau dauern an. Kürzlich wurden die Arbeiten in der ältesten Lagerwaschküche abgeschlossen, die nun für Besucher zugänglich ist. Die Arbeiten an zwei weiteren Gebäuden, einer Wohnbaracke und einer Sanitärbaracke, sollen in Kürze abgeschlossen sein.
Die Restauratoren des Museums arbeiten zudem an historischen Wandmalereien und Inschriften, die in den Gebäuden des ehemaligen Lagers erhalten geblieben sind, sowie an Objekten aus den Sammlungen. Besondere Bedeutung wird der Dokumentation aller Eingriffe beigemessen, unter anderem durch den Einsatz von multispektraler Fotografie, Geoinformationssystemen (GIS) und Building Information Modeling (BIM)-Technologie. Diese Instrumente ermöglichen es, den Zustand historischer Strukturen detailliert zu überwachen und zukünftige Arbeiten zu planen.
Vertreter des Museums betonten, dass internationale Unterstützung die Durchführung eines langfristigen, systematischen Erhaltungsprogramms ermöglicht, dessen Ziel es ist, die authentischen Überreste des deutschen nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz nicht nur zu sichern, sondern sie auch zu bewahren und für künftige Generationen zugänglich zu machen.
Im Hinblick auf den bevorstehenden 80. Jahrestag der Gründung des Museums Auschwitz im Jahr 2027 erinnerte Direktor Piotr Cywiński zudem an die besondere Verantwortung, das Vermächtnis der ehemaligen Häftlinge zu bewahren, auf deren Initiative die Gedenkstätte errichtet wurde.
„Wir leben in einer Zeit, in der die letzten Zeitzeugen von uns gehen. Wir müssen alles daransetzen, dass ihre Botschaft lebendig bleibt. Dies ist eine der wichtigsten Aufgaben der Gedenkstätte, der Stiftung und von uns allen. Ich danke Ihnen für Ihre Anwesenheit und für die internationale Solidarität, die uns in gemeinsamen Werten vereint“, sagte der Museumsdirektor.
Montenegro ist das 44. Land, das das Stiftungskapital der Auschwitz-Birkenau Foundation unterstützt. Dank dieser Mittel ist es möglich, die Authentizität der Überreste des deutschen Nazi-Konzentrations- und -Vernichtungslagers Auschwitz zu bewahren.
Die Unterstützung Montenegros beläuft sich auf 22.300,00 Euro und ist Teil eines Gesamtbeitrags der Staaten des ehemaligen Jugoslawiens, der in Summe eine Million Euro beträgt. Die entsprechende Vereinbarung wurde am 9. Juni 2026 in der montenegrinischen Botschaft in Warschau unterzeichnet.
„Die Bewahrung der Authentizität von Auschwitz ist keine Aufgabe für eine einzelne Nation oder Institution – es ist unsere gemeinsame Verantwortung für das schwierige Gedenken, das wir als internationale Gemeinschaft tragen. Die Geste Montenegros und der anderen Staaten der Region beweist, dass Solidarität angesichts der Geschichte die Grundlage für eine sichere, europäische Zukunft darstellt“, betonte Wojciech Soczewica, Generaldirektor der Auschwitz-Birkenau Foundation.
Botschafter Veljko Milonjić zeigte sich erfreut über die Unterzeichnung der Vereinbarung. Er betonte, dass das geschlossene Abkommen ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Zusammenarbeit und zum Aufbau dauerhafter Beziehungen zwischen Montenegro und der Auschwitz-Birkenau Foundation sei.
Das Ziel der Auschwitz-Birkenau Foundation ist unter anderem die Finanzierung des Globalen Konservierungsplans – eines langfristigen Programms zur Sicherung aller Überreste des ehemaligen Lagers. Der oberste Wert, der diese Maßnahmen leitet, ist die maximale Erhaltung der Authentizität und Lesbarkeit des ehemaligen Lagergeländes für zukünftige Generationen.
Seit 2012 hat die Stiftung dem Museum bereits über 172 Millionen Złoty für Konservierungsarbeiten zur Verfügung gestellt, darunter 24 Millionen Złoty im Jahr 2025. Der Wert des Stiftungskapitals beläuft sich auf über 754 Millionen Złoty.
Am 13. Mai nahmen Abgeordnete aus Nordmazedonien über die Plattform „Auschwitz. In Front of your Eyes“ an einer Online-Führung durch die Gedenkstätte Auschwitz teil. Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit der Auschwitz-Birkenau Foundation organisiert.
„Die Auschwitz-Birkenau Foundation ist stolz darauf, gemeinsam mit dem Parlament Nordmazedoniens die authentische Stätte des ehemaligen deutschen Nazi-Konzentrations- und -Vernichtungslagers auf die Bildschirme der Abgeordneten zu bringen. In einer Zeit, in der Geschichtsverzerrung und Antisemitismus auf dem Vormarsch sind, tragen politische Führungspersönlichkeiten eine besondere Verantwortung, mit gutem Beispiel voranzugehen“, sagte Wojciech Soczewica, Generaldirektor der Auschwitz-Birkenau Foundation.
Rashela Mizrahi, Abgeordnete des Parlaments von Nordmazedonien, erklärte, dass das Gedenken nicht allein der Würdigung der Vergangenheit diene – es sei vielmehr eine moralische Verpflichtung gegenüber der Zukunft: „Die Rolle der Parlamentarier und der Parlamente ist bei diesem Unterfangen unverzichtbar. Als Häuser des Volkes tragen sie die Verantwortung, nicht nur Gesetze zu verabschieden, sondern auch die historische Wahrheit zu schützen, die Erinnerung zu wahren und sicherzustellen, dass Verfälschung und Leugnung niemals den Raum finden, um Fuß zu fassen. Durch Bildung, offenen Dialog und prinzipientreue Führung müssen sie sich entschieden gegen Gleichgültigkeit und Revisionismus stellen.“
„Zu gedenken bedeutet, sich dem Schweigen entgegenzustellen. Die Wahrheit zu schützen bedeutet, unsere gemeinsamen menschlichen Werte zu verteidigen. Diese Verantwortung liegt bei uns allen – ganz besonders jedoch bei jenen, denen die Aufgabe anvertraut wurde, zu führen, zu bewahren und sicherzustellen, dass eine solche Finsternis niemals wieder aufsteigen kann“, betonte sie.
Der Online-Besuch ermöglicht es Teilnehmern, beide Teile des ehemaligen deutschen Nazi-Konzentrations- und -Vernichtungslagers, Auschwitz I und Auschwitz II-Birkenau, von überall auf der Welt aus zu sehen.
Die Moderation des Guides erfolgt live, mit der Möglichkeit zur Interaktion. Darüber hinaus nutzt der Pädagoge multimediale Materialien, Archivfotografien, Kunstwerke sowie Zeitzeugenberichte von Überlebenden.
„Die virtuelle Tour ist nicht bloß eine technologische Meisterleistung – sie ist eine Brücke zur Wahrheit für jene, die die Gesetze und Werte unserer Gesellschaften gestalten. Wir rufen nationale Parlamente weltweit dazu auf, sich dieser Initiative anzuschließen und dieses Instrument zu nutzen, um ihr Bekenntnis „Nie wieder“ zu festigen und sicherzustellen, dass die Lehren der Shoah im Mittelpunkt moderner demokratischer Führung bleiben“, betonte Wojciech Soczewica.
Die der Gedenkstätte gewidmete Plattform „Auschwitz. In Front of your Eyes“ wurde in Zusammenarbeit zwischen dem Museum, der Auschwitz-Birkenau Foundation und den Unternehmen AppsFlyer und DISKIN entwickelt.
Der Online-Besuch richtet sich an Gruppen wie Schulen, Universitäten, Bildungseinrichtungen, Museen und Unternehmen. Eine Gruppe kann gemeinsam teilnehmen – unter Verwendung eines einzelnen Bildschirms in einem größeren Raum – oder einzeln, wobei jeder Teilnehmer sein eigenes Gerät nutzt. Besuche können über die Website visit.auschwitz.org gebucht werden.Alle Institutionen, die Online-Besuche für eine größere Anzahl von Gruppen an verschiedenen Terminen organisieren möchten, werden gebeten, die Stiftung Auschwitz-Birkenau individuell unter education@fab.org.pl zu kontaktieren.
Professor Jürgen Rüttgers, Mitglied des Stiftungsrats Auschwitz-Birkenau, wurde mit dem Preis „Licht der Erinnerung“ – der höchsten Auszeichnung des Museums Auschwitz – geehrt. Die Auszeichnung wurde ihm am 29. April in Düsseldorf von Museumsdirektor Dr. Piotr M. A. Cywiński überreicht. Ein besonders bedeutender Aspekt des öffentlichen Engagements des Preisträgers ist sein Einsatz für den Erhalt der Authentizität der Gedenkstätte Auschwitz.
Als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und auch nach seinem Ausscheiden aus der Politik gehörte Jürgen Rüttgers zu den Politikern, die das Engagement des Bundes und der Länder für die Auschwitz-Birkenau Foundation unterstützten. Ziel der Stiftung ist die Finanzierung langfristiger Erhaltungsmaßnahmen und der Schutz aller authentischen Überreste des Konzentrationslagers Auschwitz.
„Die Gründung der Auschwitz-Birkenau Foundation und damit der gesamte Prozess der Authentizitätsbewahrung wäre ohne das persönliche Engagement von Professor Jürgen Rüttgers von Beginn an unmöglich gewesen.“ „Er verstand vollkommen, wie wichtig es ist, die Authentizität in der Bildung künftiger Generationen zu thematisieren, insbesondere jener, die die Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust nicht miterlebt haben und auch nicht Zeuge der enormen Nachkriegsbemühungen zum Aufbau eines gemeinsamen Europas werden konnten“, sagte Dr. Piotr M. A. Cywinski, Direktor des Museums Auschwitz.
Jürgen Rüttgers’ entscheidende Rolle bestand vor allem darin, die Überzeugung zu stärken, dass die Authentizität aller Überreste des deutschen Nazi-Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch ein stabiles, internationales Unterstützungssystem gesichert werden muss.
Jürgen Rüttgers wurde 1951 in Köln geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und Geschichte. Ab 1987 war er Mitglied des Bundestages, wo er sich vor allem mit Wissenschafts-, Technologie- und Bildungspolitik befasste.
Von 1994 bis 1998 leitete er das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie und von 2005 bis 2010 war er Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Nach seinem Rückzug aus dem aktiven politischen Leben blieb er als Jurist, Akademiker sowie als Mitglied und Mitarbeiter von Institutionen, die sich mit historischer Erinnerung, internationalem Dialog und den deutsch-polnischen und deutsch-israelischen Beziehungen befassen, im öffentlichen Leben aktiv.
Das „Licht der Erinnerung“ ist eine Auszeichnung, die vom Direktor des Auschwitz-Birkenau State Museums für herausragende Verdienste um die Aufklärung über Auschwitz und den Holocaust gestiftet und verliehen wird. Sie würdigt Persönlichkeiten, die sich der Bewahrung und Weitergabe der Erinnerung an das deutsche Nazi-Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz verschrieben haben.
Bislang wurde diese Auszeichnung an Professor Władysław Bartoszewski, Krystyna Oleksy, Avner Shalev, Serge Klarsfeld, Luis Ferreiro, Romani Rose, Piotr Setkiewicz und Michael Berenbaum verliehen.